Das Licht der Zukunft

Interview mit Florian Möckel und Erich Ludwig über die Trends rund um Beleuchtung.

Die entscheidende Rolle des Lichts

Herr Möckel, Herr Ludwig, früher ging es darum, für Helligkeit zu sorgen. Heute traut die Wissenschaft dem Licht viel mehr zu: Es soll das persönliche Wohlbefinden der Menschen steigern, für mehr Effizienz in der Wirtschaft sorgen, die Sicherheit verbessern – und sogar Krankheiten heilen.

Ist das nicht ein bisschen hoch gegriffen?

Florian Möckel: Nein, im Gegenteil. Dem Licht ist in der Vergangenheit viel zu wenig Wert beigemessen worden. Heute weiß man, wie sensibel Organismen auf Licht reagieren und was Licht bewirken kann. Und wir haben dank der LED-Technologie und ihrer Steuerbarkeit die technischen Möglichkeiten, diese Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen. Ludwig Leuchten ist in vielen dieser Bereiche aktiv. Was die Wissenschaft voraussagt, ist für uns längst Realität.

Zum Beispiel?

Erich Ludwig: Nehmen Sie Büroräume. Früher hat man bei der Beleuchtung von Arbeitsplätzen vor allem darauf geachtet, gutes Licht zu schaffen, alles sollte optimal ausgeleuchtet sein. Heute gehen wir weit darüber hinaus. Im Zentrum steht das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Wir sind in der Lage, mit modernsten Leuchtsystemen ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen, in dem Mitarbeiter gerne und effizient arbeiten.

Wie geschieht das?

Erich Ludwig: Indem wir mithilfe von Steuerungen die Lichtfarbe und –intensität variieren. Damit können wir den Verlauf des Tageslichts nachempfinden und den natürlichen Biorhythmus unterstützen. Die Beleuchtung kann durch höhere Blauanteile am Morgen aktivierend wirken – so wie das natürliche Sonnenlicht. Brauchen wir eine Regenerationsphase, setzen wir wärmere Lichtfarben ein. Man spricht hier vom Human Centric Lightning (HCL).

HCL ist sicher nicht nur für Büroräume interessant.

Erich Ludwig: Nein,  wir haben mit unseren Partnern schon in vielen anderen Bereichen solche Lichtsysteme realisiert: in Altenpflegeeinrichtungen oder Hörsälen zum Beispiel oder auch in öffentlichen Gebäuden, an Flughäfen etwa.

Was kann eine solche Steuerung an Flughäfen bewirken?

Erich Ludwig: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem grauen, verregneten Tag im Wartebereich und ihr Flug hat Verspätung. Was würde eine helle, grelle Beleuchtung da bei ihnen auslösen? Unruhe, Hektik, vielleicht sogar Unzufriedenheit. Mit gedämpftem Licht kann man eine entspannte Atmosphäre schaffen. In der Abfertigungshalle muss es dagegen oft schnell gehen. Hier kann ich mit einem höheren Blauanteil im Licht aktivierend wirken. Sensoren erfassen dazu den Passagierfluss und äußere Faktoren wie Wetter. Darüber wird das Licht gesteuert.
Florian Möckel: Das gleiche gilt für Krankenhäuser. Jemand, der nach einer OP auf der Station aufwacht, braucht sicher ein anderes Licht als ein Patient, der bereits auf dem Weg der Genesung ist. Auch hier kann ich mit einer Steuerung ein individuell auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmtes Licht schaffen.

Und woher weiß die Steuerung, welches Licht gerade benötigt wird?

Erich Ludwig: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: ein manuelles System oder eine automatische Steuerung mithilfe individuell konfigurierbarer Programme oder Sensoren. Vielleicht eine Handy-App, die erkennt, wie lange der Mensch geschlafen hat, und darüber die Lichtfarbe steuert. Oder Kameras, die den Gemütszustand des Mitarbeiters anhand seiner Mimik erfassen und ihm entsprechendes Licht einstellt. Technisch ist vieles möglich.  

Branchenverbände sind optimistisch und rechnen damit, dass sich mit HCL in wenigen Jahren hohe Marktanteile erreichen lassen.

Wie sieht es im Moment aus? Wie nimmt der Markt die Lösungen an?

Florian Möckel: Auch wir bei Ludwig Leuchten sind sicher, dass steuerbare Lichtsysteme in der Branche künftig eine Schlüsselrolle spielen werden. Wir sind nun gefragt, die Kunden vom Mehrwert dieser Lösungen zu überzeugen. Obwohl die Mehrkosten oft gering sind, ist die Akzeptanz im Markt noch nicht besonders groß.

Wie überzeugen Sie Ihre Kunden?

Florian Möckel: Es geht um Zufriedenheit und Wohlbefinden. Dinge, die in unserer Gesellschaft an Bedeutung gewinnen. Sehen Sie, schon heute haben wir in der Wirtschaft einen verschärften Wettbewerb um die besten Köpfe. Und wer mit jungen Leuten spricht, der merkt schnell, dass es ihnen bei der Jobwahl nicht nur um Geld und Prestige geht. Ein Arbeitgeber, der ein optimales Umfeld bietet, hat heute einen klaren Wettbewerbsvorteil. Und ein Wohlfühlklima, das durch ein modernes Lichtsystem erzeugt wird, trägt dazu bei. Das gleiche gilt für Krankenhäuser, die im scharfen Wettbewerb um Patienten stehen. Hotels, die sich von der Konkurrenz absetzen wollen. Einkaufszentren, Schulen, Universitäten oder öffentliche Einrichtungen.
Erich Ludwig: Auch die Energieeffizienz ist ein Argument, das für moderne Steuerungslösungen spricht. Büros, Werkhallen oder öffentliche Plätze werden heute oft noch hell erleuchtet. Dank neuer Systeme wird Licht nur da eingesetzt, wo es nötig ist. So helfen Sensorik und Steuerung beim Energiesparen.

Was bedeuten diese neuen Möglichkeiten für Sie als Leuchtenhersteller?

Florian Möckel: Wir müssen künftig noch ganzheitlicher Denken. Wir sind nicht mehr nur Leuchtenhersteller, wir sind Lösungsanbieter. Wir zeigen unseren Kunden die Möglichkeiten des Lichtmanagements auf und denken für sie voraus, damit sie vorbereitet sind, um Innovationen später optimal zu nutzen. Dank der Erfahrung, die wir bei zahlreichen Groß- und Sonderprojekte gesammelt haben, haben wir dabei einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Erich Ludwig: Entscheidend ist ein ganzheitlicher Ansatz. Warum sollen wir mithilfe unserer Sensoren künftig nur das Licht steuern? Warum nicht auch die Heizung oder die Außenbeschattung? Der modulare Aufbau unserer Produkte erlaubt es, verschiedene Systeme eines modernen Gebäudemanagements zu integrieren. Das ist die Zukunft, für die wir schon heute Lösungen anbieten.

Sie sprechen die Zukunft an. Wenn wir noch ein paar Schritte weitergehen?

In zehn, 20 Jahren, was wird Licht dann für uns sein?

Erich Ludwig: Wir befinden uns gerade mitten in einer Lichtrevolution, ein kompletter Paradigmenwechsel. Und wir sind mit unseren Möglichkeiten noch lange nicht am Ende. Warum soll der Lichtstrahl, den unsere Leuchten aussenden, nur in eine Richtung wirken? Warum können wir mit seiner Hilfe nicht auch Daten zurücktransportieren? Vielleicht werden wir in der Lage sein, Licht zu speichern. Wir haben bereits bei einem Kunden LED in Fensterrahmen eingebaut – zur Deko. Aber wenn es möglich wäre, dass LED Sonnenlicht aufnähmen und speichern – das wären ganz neue Möglichkeiten. Mit organischen LED haben wir schon eine Vorstufe erreicht.

Man hat den Eindruck: Umso mehr Möglichkeiten uns das Licht bietet, umso heller wird es um uns herum. Immer mehr Gebäude werden illuminiert, immer mehr Gärten erstrahlen bei Tag und Nacht. Das hat nicht nur Vorteile.

Ist die zunehmende Lichtverschmutzung auch für Sie als Leuchtenhersteller ein Thema?

Erich Ludwig: Das ist ein großes Thema, an dem wir intensiv arbeiten. Denn natürlich sorgt der technische Fortschritt dafür, dass mehr Licht um uns herum ist. Aber wir als Leuchtenhersteller können dazu beitragen, dass es gerichtet eingesetzt wird. Mit Reflektoren und Linsen können wir das Licht dahin bringen, wo es gebraucht wird. Das ist nicht nur effizient, sondern vermindert auch eine Streuung und damit eine weitere Lichtverschmutzung.

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